Sonntag, 9. Juli 2017

Strange Books 2 - S

In der heutigen Folge der erstaunlichen Serie "Strange Books"  wollen wir uns dem Buch mit dem kurzen Namen "S" widmen. Oder auch "Das Schiff des Theseus". Oder auch das Buch von J.J. Abrams. Ohne Lensflare. Star Trek-Fans können nun kichern.

Dieses Buch hat eine kleine Identitätstörung. Oder eher Realitätsprobleme. Natürlich volle Absicht. Es fängt damit an, dass nicht ganz klar ist, wer der Autor ist.
Ist es J.J. Abrams oder Doug Dorst oder doch V.M. Straka. Und wie eben schon on geschrieben: Auch der Titel ist nich ganz klar: "S" oder "Das Schiff des Theseus"?
Habe ich das Buch etwa in der Bibliothek geklaut?
Es sieht zwar so aus, aber ich kann versichern, ich habe es gekauft. Es wirkt auch viel zu neu, um ein altes Bibliotheksbuch zu sein, auch wenn es alles dafür tut so auszusehen. 
Ein bisschen wie die ollen Bücher aus der Schulbibliothek in denen noch von der DDR die Rede ist. Sind mir zumindest in der fünften Klasse noch ein paar begegnet. In Leinen eingebunden. Fühlt sich zumindest so an und weckt tatsächlich ein paar Erinnerungen an die 5te Klasse und dreissig Jahre alte Bücher. Und wie es in der Schulbibliothek gerochen hat.

Aber das hat alles gar nichts mit "S" zu tun. Auch nicht mit "Das Schiff des Theseus".
J.J. Abrams und sein Kumpel Doug Dorst wollten wohl einfach nur mal Menschen wie mich glücklich machen. Menschen, die Bücher nicht nur als Medium für Geschichten oder Wissen sehen, sondern auch das haptische Erlebnis durchaus zu schätzen wissen. Wenn es denn statfindet.
Das übliche Taschenbuch ist nunmal kein Ding, dass man gern betatscht oder gar daran riecht.


Auch wenn der Inhalt des Buches total mies gewesen wäre, so hätte mich die Mühe, mit der dieser Inhalt präsentiert wurde sehr glücklich gemacht.
Apropos Inhalt: Der ist zuerst einmal das Buch "Das Schiff des Theseues" geschrieben von einem gewissen tschechischen Autor namens V.M. Straka.
Es erzählt die Geschichte von einem Typen, der keine Vergangenheit zu haben scheint. Er wurde auf ein Schiff gebracht, auf dem die Manschaft seltsam still ist und ihm wie tot erscheint. Das Schiff selbst ist in einem mekrwürdigen Zustand, da es teilweise wie neu ist und teilweise wie kurz vor dem Verfall steht.

Hier fährt wohl tatsächlich das Schiff des Theseus aus dem ontologischen Gedankenexperiment herum: Ist ein Ding - in diesem Fall Theseus' Schiff - noch das gleiche Ding, wenn alle seine Einzelteile ausgetauscht wurden? Ist der namenlose Mann immer noch er selbst? Auch ohne seine Erinnerungen, Klamotten, Namen? Ist er das Ergebnis eines Experiments in der Richtung am Ich eines Menschen?

Die Geschichte fühlt sich für mich ein bisschen so an, als hätte Franz Kafka auf eine Folge Fringe genießt, die im Russland der 50er Jahre spielt.
Falls jemandem das hilft sich etwas darunter vorzustellen. Falls nicht: Die Geschichte des Mannes ohne Vergangenheit ist nicht schlecht. Keine wirklich hohe Literatur. Ein bisschen Frage nach Identität, Bedeutung der Kunst in Gesellschaften mit oppressiven Obrigkeiten und was man noch alles darin finden mag.
Aber was das ganze Buch interessant macht, ist eben nicht der Roman allein:

Es ist die Summe. Schon auch der Roman, aber hinzu kommen noch die Kommentare des Übersetzers F.X. Caldeira und natürlich die "handschriftlichen" Anmerkungen von zwei Studenten.
Das Buch enthält auf eigentlich fast jeder Seite scheinbar handschriftlich hinzugefügte Kommentare von diesen beiden Studenten in zwei unterschiedlichen Handschriften. Sogar in immer wieder wechselnden Farben.
 Der Student Eric hat die ersten Kommentare eingefügt. Er ist dem
Rätsel, dass den Autor Straka umgibt auf der Spur: Niemand weiß, wer Straka ist und viele Legenden ranken sich um dessen Identität und Verschwörungstheorien um jene, die dieser Identität auf der Spur waren.
Eric bringt das Buch wieder in die Uni-Bibliothek aus der er es geliehen hatte. Hier entdeckt die andere Stundentin - Jen - das Buch.
Sie hat gerade erst begonnen sich ernsthaft mit Straka zu beschäftigen und kommentiert die Kommentare von Eric. Da auch sie das Buch zurück in die Bibliothek bringt, muss Eric sich das Buch nur irgendwann wieder ausleihen...

So beginnt in diesen Anmerkungen auch eine Kommunikation über das Buch zwischen den beiden auf den Seiten des Buchs.
Aber das Buch dient nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern auch dazu, Dokumente und andere Dinge zwischen den beiden auszutauschen: Kopien, Briefe, Postkarten. Alles Mögliche auf das die beiden während ihrer Recherchen zu "Das Schiff des Theseus" und V.M. Strka stoßen.

Diese "Dokumente" sind auch keine doofen Blättchen. Die Postkarten fühlen sich an und sehen aus wie sie richtige Postkarten, die Kopien haben auch diese schwarzen Ränder, wie sie Kopien haben und sind nich richtig scharf, bei den Briefen wurde sich mühe gegeben es nach richtigen Handschriften aussehen zu lassen.
Was mich aber wirklich in Verzückungen versetzt hat, war die Stelle, als Erik Jen von einer Karte des Campus schreibt, die er in einem Cafe auf eine Serviette gezeichnet hat.
Er schreibt, er lege sie in das Buch und dort finde auch ich sie.
Und es ist wirklich eine Serviette. Nicht nur bloß ein Stück Papier, dass wie eine Serviette aussehen soll, nein, es besteht aus dem gleichen Material wie eine Serviette, ist gefaltet wie eine und ist auch mit dem Logo des Cafes bedruckt.

Natürlich ist klar, dass dieses Buch nicht wirklich in einer Bibliothek herum lag und dass diese beiden Studenten und auch alles andere nicht wirklich existiert, aber es macht richtig Spaß sich darauf einzulassen.
Klar, bei jedem Roman lässt man sich auf das Universum der Erzählung ein, aber hier macht dieser eigentlich unbewusst nebenher laufende Prozeß gerade so viel Spaß, weil er einem so bewußt gemacht wird.
Mir zumindest.  
Es war ein bisschen wie der Unterschied zwischen Theater und Zaubervorstellung. Bei einem Theater ist mir nicht so klar, dass ich alles auf der Bühne im Kontaxt der Geschichte als "wahr" betrachte. Bei einer Vorstellung von einem Illusionisten frage ich mich die ganze Zeit wie er das gemacht hat und muss mich einfach bei jedem Trick entweder darauf einlassen, dass ich es nicht weiß und das ganze so hinnehmen und mich daran erfreuen oder ich kann es nicht und es nervt mich nur.

Kann also durchaus sein, dass es auch so manchen Leser nervt sich von den beiden Studenten aus der Geschichte reißen zu lassen oder das Konzept an sich den Genuß der Geschichte stört.
Ich kann auch keine Empfehlung geben, wie das Buch am besten zu lesen ist. Manche haben wohl erst das Buch an sich gelesen, dann die Kommentare.
Ich habe immer eine Seite des Buches gelesen und dann direkt die Kommentare dazu und auch direkt die "Einlagen" dazu.
Es reißt einen zwar tatsächlich aus der "Theseus"-Geschichte, aber für mich war das der Witz an der Sache: Ich lese es, als wäre ich der dritte Student und werde so ein bisschen Teil des Buches.
Auch nicht ganz alltäglich bei Romanen.
Zumal man bedenken sollte, dass hier immer noch nur Papier verwendet wurde.
Keine Webseiten oder Videoclips wie z.B. bei Alternate Reality Games.


Dieses Buch - Werk? Erweitertes Buch? Buch mit gewissen Extras? - als eBook zu lesen wäre Verschwendung.
Ich habe zwar auch eine eBook-Version bei Amazon gesehen, aber dass schon eine "Warnung" der Autoren vorneweg kommt, dass diese Geschiche nicht für ein eBook gedacht ist und man sich um den Spaß bringt, sollte einen schon abbringen.

Auf deutsch finde ich die gebundene Version bei Amazon nicht mehr. Okay, als "limitierte Version" für 140 Euro. Komisch. Ich habe es für 45 Euro gekauft. Das fand' ich damals auch nicht gerade billig, aber wenn man sieht, wie viel Mühe in dem guten Stück steckt, sind die 45 Euro völlig in Ordnung. Gibt auch genug "normale" gebundene Bücher für 35 Euro.
Nun, die englische Ausgabe gibt es wohl noch für 23 Euro.
Weil ich die jetzt auch noch haben wollte, kann ich dann wohl bald einen Nachtrag schreiben, ob sich die deutsche - ehemals 45 Euro - von der englischen Version groß in der Art der Aufmachung uterscheidet....

Dienstag, 13. Juni 2017

Passengers - Praline mit creepy Füllung

 (Vorsicht! Enthält auch um die dicke Spoilerwarnung herum sehr viele Spoiler!) 

Da ich mal wieder nur halb hingehört hatte, dachte ich, es geht in "Passengers" um ein Raumschiff mit zwei Leuten als Besatzung, die ganz viele andere Leute im Cryoschlaf zu einem fernen Planeten bringen. Siedler bestimmt. 

Ist aber so nicht ganz richtig. Es ist schon ein dickes Siedlerschiff irgendwann in der Zukunft, das seine Passagiere zu einem weit entfernt Planeten bringt. Aber vollautomatisch. Wirkt wie ein riesiger Apple-Store. Mit Urenkel von Watson und Siri am Steuer. 
Schon langweilig. Also nett das Raumschiff an sich so. Sehr hübsch und edel, um genau zu sein, aber langweilig. Damit das nicht so bleibt, gibt es ein paar dicke Asteroiden, die es zu einem Zeitpunkt der Reise schaffen, den Deflektor zu durchschlagen. 
Folge ist zuerst einmal nur, dass eine einzige Schlafkapsel kaputt geht, deshalb aktiviert und der in ihr liegende Passagier  Jahre zu früh geweckt. 
Eigentlich sollen alle Passagiere wenige Monate vor der Landung am Zielplaneten geweckt werden. Diese letzten Monate bekommen sie Schulungen zu ihrem neuen Heimatplaneten und sollen wohl sonst noch ein wenig Kreuzfahrt-Feeling mitnehmen, bevor es ans harte Siedler-Leben geht. 

Aber Jim wurde jetzt 90 Jahre zu früh geweckt. Erst merkt er es gar nicht, da das ganze Schiff mit Hologramm und Robotern bestückt ist, die ihm hilfreich zur Seite stehen, aber nicht kapieren, dass er gar nicht wach sein sollte. Sieht ihre Programmierung nicht vor. 

Jim kapiert seine Lage dann allerdings doch recht schnell. Er ist Maschinenbauingenieur und versucht - nachdem eine Kontaktaufnahme mit der Erde an der Dauer der Zustellung seiner Nachricht scheitert - zuerst einfach seine Kapsel zu reparieren. Als das nicht gelingt ist sein nächster Versuch jemanden von der Crew zu wecken, aber er kommt einfach nicht durch die Sicherheitstür der Brücke. 
Der einzige an Bord, der ihm die Illusion gibt, dass er mit einem Menschen interagiert ist der androidische Barkeeper Arthur. 
Im Gespräch mit ihm kommt er auf die Idee die Sau raus zu lassen. Er zieht in ein Quartier der Luxus-Klasse - wir sind in einem Apple-Schiff und nicht bei Star Trek. Alles kostet extra und Jim ist kein reicher Kerl. 
Ansonsten macht er eigentlich was er will, läuft auch schon mal einen ganzen Monat nackt im Schiff herum. 

Doch nach einem Jahr ist er am Ende. Alleine zu sein für diese lange Zeit treibt ihn fast in den Selbstmord, bis er über die Kapsel einer der anderen Passagiere stolpert. Aurora ist Schriftstellerin und eine Zeit lang findet er Trost in ihren Geschichten und in den Videos, die sie vor  der Abreise aufgenommen hat. 
Er verliebt sich in diese Vorstellung von Aurora, die er auf Grund ihrer Geschichten und Videos hat. Er beschließt, sie auch zu wecken, auch wenn er lange zögert. 

Er sagt Aurora nicht, dass er sie geweckt hat, sondern lässt sie in dem Glauben, dass auch ihr Erwachen das Resultat einer Fehlfunktion sei. Zuerst macht sie ähnliche Phasen durch wie er zu Anfang - Kapsel reparieren, Crew wecken - doch dann richten sich die beiden ein und auch sie verliebt sich in Jim. 

Bis Arthur Aurora versehentlich steckt, dass Jim sie absichtlich geweckt hat. Natürlich rastet sie aus und versucht sogar eines Nachts Jim tot zu schlagen, der sich nicht wehrt und sie gewähren lässt, aber schlussendlich kann sie es nicht. Die beiden arrangieren ihre Tagesabläufe so, dass Aurora nicht auf Jim treffen muß. Was aber ein wenig wie ein geschiedenes Ehepaar dargestellt wird. 

DICKER SPOILER LOS Jedenfalls geht noch was Dickes am Raumschiff kaputt und endlich wird jemand von der Crew geweckt, der ihnen ein bisschen helfen kann, dann aber fast direkt wieder stirbt und sie mit einem bald explodierenden Reaktor zurück lässt. 
Sie raufen sich zusammen, auch weil Jim Aurora anbietet sie wieder in Schlaf zu versetzen, was mit den Codes vom Crewmitglied gehen würde, aber nur für einen der beiden. Sie lehnt ab und 88 Jahre später sehen die Aufgewachten restlichen Passagiere das Arboretum indes die beiden das Hauptdeck verwandelt hatten. 
Film fertig! SPOILER FERTIG 

Alles in allem ein netter SciFi-Film mit dicker Liebesgeschichte. 
Oder auch nicht.
Ich muss sagen, dass mir der Film wohl deswegen nicht so gruselig ist, wie er sein sollte, weil Chris Pratt den Ingenieur Jim spielt. 
Eigentlich spielt er wieder Starlord ohne die Überheblichkeit und mit ein bisschen mehr Nerdy-terdy. Mir ist die Figur anfangs sehr sympathisch und knuffig ist er auch. 

Aber hilft nix, dass hier im Grunde eine wahnsinnig gruselige Geschichte erzählt wird. Von einem Typen, der sich eine Vorstellung von einer Frau bastelt und glaubt sich in sie zu verlieben. 
Gut, Jim kann man abnehmen, dass er sich wirklich verliebt, aber was wäre, wenn Aurora doch ganz anders als wache Person ist, als er sie sich erdacht hat? Ganz abgesehen davon, dass er auch ihr unsympathisch bis gruselig hätte sein können. 
Es hilft auch nichts, dass sich Jim fast umgebracht hätte und er ein armer Kerl ist. Sympathie mit dem Täter hilft dem Opfer nicht. 

Der Film hätte auch damit weiter gehen können, dass er durchdreht, weil sie nicht seinem Ideal entspricht und sie sich in ihrem Quartier hätte einschließen müssen. Für 90 Jahre. 
Oder er nicht von ihr los kommt, obwohl sie in einfach nur nicht toll findet und eigentlich nichts mit ihm zu tun haben will. 
Da gibt es die Stelle an der er die Schiffslautsprecher nutzt, um mit einer Durchsage seine Situation zu erklären, obwohl sie nicht mit ihm reden will. Sie macht sehr deutlich, dass sie nicht hören will, was er zu sagen hat, aber er redet dennoch weiter. Da kommt der Grusel mal ziemlich weit durch...bis Jim wieder als der arme Kerl gezeigt wird. 
Aber ab diesem Punkt mag ich ihn eigentlich nicht mehr so sehen. Sie haben mir Starlord versaut! 

Es ist schon in der normalen Welt ein extrem schlechtes Gefühl, wenn man merkt, dass jemand, mit dem man eigentlich nicht wirklich viel zu tun haben will genau das will. 
Und dann auch noch alles daran setzt, dass man doch viel miteinander zu tun hat. 
Am schlimmsten ist es natürlich, wenn betreffende Person in einer Machtposition einem gegenüber ist: Chef, Lehrer, Tutor, der Typ auf dem Raumschiff mit den Muskeln und dem Schraubenschlüssel. 
Aber auch noch ganz allein mit so jemanden? Auf einem riesigen Schiff? 

Wenn man es so sieht, haben beide unglaublich viel Glück gehabt, dass sie den anderen eben nicht gruselig finden. Oder wer weiß wie viel daran liegt, dass einer von beiden - oder beide - einfach um nicht verrückt zu werden, sich dem Ganzen einfach ergeben hat.
Das bisschen Mordversuch von Aurora deckt diese ganze Thematik nur schlecht ab. Und dass sie schnell - wie oben schon angerissen - eher wie ein angepisstes, aber normales Paar in Trennung dargestellt werden, hilft auch nicht recht. 
Leider kann ich mich nicht mehr ganz aus dieser Perspektive befreien...und ich höre diese Sprüche: "Ach, Du will es doch auch!"

Ich finde also, dass ich dank coolem Schiff und knuffi Chris "Passengers" sehr gut startet und als SciFi-Liebesgeschichte funktioniert. Bis alles mit Auroras Erweckung abkracht und dann nicht den Mut findet auch uns Chris-Fans anzupinkeln und zu einem ehrlichen "Der Feind in meinem Bett" im All zu werden. 

Leider wird statt dessen viel herumgebügelt und die Liebesgeschichte mit Ach und viel Krachbumm gerettet. 
Zumindest für den Zuschauer, der sich die Augen mit Zuckerguss auswäscht und Aurora ihre Vergebung und Liebe abkaufen kann...

Sonntag, 11. Juni 2017

Assassin's Creed - Der Film...glaub' ich

Ich habe Assassin's Creed gesehen. Und bin beeindruckt. Schon ein Stück weit. Von mir. Natürlich. Nicht vom Film. Ganz sicher nicht. 
 Ich bin beeindruckt, dass ich es geschafft habe den ganzen Film zu sehen. Durchzuhalten.

Ich glaube, dass ich grundsätzlich sehr wohlwollend schlechten Filmen gegenüber bin. Dicke Logiklöcher kann ich verschmerzen, wenn es tolle Charaktere gibt. Oder umgekehrt: Hölzerne Typen/Tusen kann ich verschmerzen, wenn die Story wenigstens interessant ist. Oder die Action stimmt.
Manchmal kann ich auch nicht erklären, warum ich einen Film/eine Serie gut finde. Ich habe mal durch meine DVD/Bluray-sammlung geguckt, um ein Beispiel zu bringen, wie wohlwollend ich sein kann, wenn ich in der richtigen Stimmung für einen Film bin.
Meine Highlights . oder eher Lowlights:
Das "Ghostbusters"-Reboot fand' ich echt okay. Viel besser als befürchtet.
"Die Legende von Aang" war jetzt auch nicht schlimm. Also der Film, nicht "Avatar", der Anime, der war wirklich putzig.
Ich konnte sogar "Number 23" etwas abgewinnen. Obwohl Jim Carrey in diesem ernsten Film die Hauptrolle spielt. Und dieser Film hatte bei Rotten Tomatoes 8% von den Kritikern bekommen.

Aber es hat sich gezeigt, dass auch ich nicht jeden Film tolerieren kann. Klar, es gibt vielleicht noch zwei, drei andere, aber der aktuelleste ist "Assassin's Creed".
Alter Schwede, wie kann man nur einen Film so dermaßen verkacken?
Gut, man kann sagen, dass viele - fast alle? - Spieleverfilmungen nicht wirklich gut sind. Aber herrje, sogar "Warcraft" ist eine filmische Perle gegen "Assassin's Creed" und bei dem hat wohl nur geholfen, dass ich mich wie zuhause gefühlt habe in Azeroth. Als Film ist der jetzt auch kein Bringer.

Ich würde gern erläutern, warum "Assassin's Creed" so schlecht ist. Aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Gut, ich muss gestehen, ich besitze zwar ein - oder waren es zwei - Teil der Spiele-Reihe, aber bin bei beiden nicht über das Tutorial hinaus gekommen. Die liegen irgendwo, ich weiss nicht mehr wo und ich hatte bisher nicht den Nerv die zu suchen. Ich kann also nicht mal wie bei "Warcraft" einen Bonus für die Wiedererkennung geben.
Das muss man wohl im Hinterkopf behalten. Ich weiß nur, dass es da diese Spiele gibt, dass es Assassinen sind und irgendwie klinkt sich da einer der Assassinen in die Erinnerungen seiner vor Jahrhunderten gestorbenen Vorfahren ein, die natürlich auch Assassinen sind.
So in etwa.

Aber Videospiel-Verfilmungen wollen auch Menschen mitnehmen, die keine Ahnung von dem Spiel haben, also darf das jetzt kein Kriterium sein.
Ich wurde nach etwa fünf Minuten Spielzeit am Straßenrand vergessen. Nix mit Mitnehmen.
Schon klar, da ist dieser Typ, gespielt von Michael Fassbender - der Arme - der dieser Assassine ist, der in die Assassinen-Vorfahren einklinkt. Er soll eigentlich wegen Mordes hingerichtet werden, aber eine geheimnisvolle Organisation, die sich die Templer nennt, rettet ihn und klärt ihn so ein bisschen über seine Vorfahren auf, von denen er bisher nichts wusste.
Sie stecken ihn in eine Art virtuelle Realität, die von einem Rechner generiert wird, der anhand der Informationen in seiner DNA die Erlebnisse seines Vorfahren aus dem 15. Jahrhundert in Spanien wieder erlebbar macht. Bisschen so wie Holodeck.
Schlussendlich geht es darum, dass die Templer ein Relikt in ihren Besitz bekommen wollen, dass wohl zuletzt diesem Vorfahren gehört hat. Das Reliekt ist der Apfel der Erkenntnis aus der Bibel-Geschichte. Garten Eden, Rauswurf der Menschen etc.
Damit wollen sie alle Menschen kontrollieren und so Frieden schaffen. Die Assassinen jedoch sind die Verteidiger des Freien Willens.
Liest sich eigentlich recht interessant. Für einen Klopp-O-Action-Film.

Und Marion Cotillard und Jeremy Irons haben sich auch in den Film verirrt.
Wahrscheinlich haben sie sich wirklich verirrt, denn auch wenn die Story schon grob klar ist, ist die Art, wie sie im Film erzählt wird, total hin und her, wischi-waschi und die meiste Zeit frage ich mich, was denn jetzt ernsthaft die Motivation sein soll bei den Figuren und warum sie mitunter mitten im Satz zu wechseln scheint. Alle bleiben hölzern und mir so fern, dass es micht nicht juckt, wer stirbt, wer lebt.
Vielleicht könnte man sagen, dass wenigstens die Abschnitte in der Vergangenheit einen netten Film ergeben hätten, aber da die persönliche Motivation von keinerm der Assassinen auch nur gestreift wird...sind sie eigentlich mehr Spanisch-Stunden mit Kampfeinlagen. In der Vergangenheit wird nur Spanisch gesprochen. Ist kein Kritikpunkt, eher vielleicht der einzige positive Aspekt: Spanisch auffrischen.

Ich habe den Film tatsächlich bis zum Ende gesehen. Leider kann ich nicht mal daraus ziehen, dass ich ihn ordentlich bashen kann, weil er einfach so quallig ist. Viel Wasser und sonst fast nix.
Und was sollte das mit dem Vogel?



 

Dienstag, 6. Juni 2017

Das Buch der Spiegel

Manchmal muss ich Bücher einfach lesen. Wie "Das Buch er Spiegel" von E.O. Chirovici. Ich hatte das Ding an einem Nachmittag durch, aber ich würde auf jeden Fall sagen, dass es jetzt kein Meisterwerk war. Also nichts, was mich umgehauen hat.
Aber schlecht war es auch nicht.
Im Prinzip erzählt es auch eine spannende Geschichte und bleibt auch lange spannend: Ein Litareturangent bekommt ein Manuskript zugeschickt das noch nicht wirklich fertig ist und scheinbar die wahre Geschichte von einem länger zurückliegenden Mord an einem Professor erzählt. Zumindest so, wie sich eine dem Professor nahe stehende Person darin erinnert.
Aber da das Manuskript nicht fertig ist, erfährt man nicht, wer den Professor nach Meinung des Autors ermordet hat. Der Litareruragent will daraufhin wissen, warum das Ende fehlt oder ob der Autor vielleicht ein Ende geschrieben hat. Aber er erfährt, dass der vor drei Wochen gestorben ist und seiner Frau kein Ende des Manuskripts kennt.

Für Liebhaber spannender Geschichten liest sich das doch schonmal famos!
Aber famos ist es leider dann doch nicht.
Es wird einem recht viel versprochen - sowohl von der Werbung zum Buch, als auch im Anfang des Buches selbst, aber eigentlich nichts gehalten.
So scheint es noch, was würde eine Geschichte aufgebaut, die am Ende ganz anders ausgeht, als man erwarten könnte, da immer wieder betont wird, dass ermordeter Professor sich damit beschäftigt, wie man Erinnerungen manipulieren kann Am besten, ohne dasss der Manipulierte es bemerkt.
Auch die Assistentin des Professors scheint mysteriös, ungreifbar und äußerst verdächtig.

Drei verschiedene Perspektiven kommen im Buch "zu Wort". Erst der Litarauragent, dann der Privatdetektiv, der sich im Auftrag des Agenten der Suche nach dem Rest des Manuskriptes annimmt und schließlich der EX-Cop, der denn Fall lösen will.
Alle drei sind ziemlich austauschbar. Auch wenn drei verschiedene Perspektiven sicher passen würden zu einer Geschichte, die einem zeigen soll, wie verschiedene Erinnerungen Einfluss auf einen selbst und auch ein Geschehnis haben, so ist es im Endeffekt egal, wer von den drei Herren gerade dran ist.
Sie sind alle drei recht blass und großartige Unterschiede in ihren Herangehensweisen oder Ansichten zum Fall habe ich jetzt auch nicht erkannt.
Was das Handwerkliche angeht, kann ich bei "Das Buch der Spiegel" absolut nicht meckern. Stil und Sprache sind sehr gut, daher bin ich auch wohl dran geblieben. Und weil ich bis zum Schluss noch hoffte, dass das Ding gleich richtig abhebt.

Ich mag zwar nicht spoilern, aber das Ende hat mich dann doch sehr enttäuscht. Keine unglaublich komplizierte Verschwörung oder krasse Manipulation aller Erinnerungen der Beteiligten, sondern nur ein mittelmäßiger Mord, der vielleicht eine nette Folge bei "The Mentalist" ergeben hätte, aber auch nicht mehr.
Eigentlich hoffe ich, dass ich noch in einer anderen Rezension oder vielleicht bei nochmaligem Lesen plötzlich peinlich berührt erröte und merke, dass ich das Buch völlig falsch verstanden habe und zwischen den Zeilen doch diese grandiose Manipulation vielleicht meiner Erinnerungen statt gefunden hat.

Montag, 5. Juni 2017

Schreibzeug - Womit ich gern schreibe

Ich versuche seit Jahren etwas Längeres als bloße Anfänge von Geschichten zu schreiben. Hin und wieder ist es mir mal gelungen auch ein Ende für eine Geschichte zu finden, aber das passiert eher selten.
Logische Folgerung: Ich höre einfach nicht auf zu schreiben. Mal sehen, wie weit mich eine Geschichte tragen kann.
Als ich dachte, dass das eine gute Idee wäre, schrieb ich noch überwiegend in Notizbücher. Habe ich dann auch mit der Geschichte gemacht, für die ich erstmal kein Ende suchen wollte.
Ergebnis waren dann etwas mehr als 100 eng beschriebene DIN A5-Seiten, bis es mir kam, dass es doch besser wäre, wenn ich diese Geschichte (und eigentlich alle anderen auch) in elektronischer Form hätte. Kann man besser korrigieren, muss man nicht immer das eine bestimmte Notizbuch dabei haben und falls man dann einen Leser finden würde, könnte man immerhin ein PDF erstellen. Damals habe ich nicht an eBooks gedacht.
Klar, dass ich dann erstmal bei OpenOffice und dann auch bei Word gelandet bin. Aber ich muss gestehen, das blöde Abtippen von diesen 100 Seiten hat mich schon endlos genervt, als ich bei 11 Word-Seiten angekommen war. Habe dann noch eine Weile nach Spracherkennungssoftware gesucht, aber das war mir dann doch zu teuer. Und zu blöd. Und überhaupt.
Aber dennoch wollte ich alles lieber elektronisch haben.

Weil ich faul bin und Motivation brauche, habe ich dann einfach eine andere Geschichte angefangen. Fantastischer Realismus mit tiefschürfenden Gedanken, wie bei meinem ersten Versuch, ist mir doch eh zu hoch. Schreibe ich doch lieber etwas, was locker-flockig von der Hand geht und ich selbst auch gern lesen würde. Gut, fantastischen Realismus lese ich auch sehr gern, aber bei Urban Fantasy sehe ich mich eher als jemanden, der weiß, wovon sie schreibt.
Und da mir immer noch viele Ideen unterwegs kommen, bin ich dann bei Google gelandet. Da kann ich meine Datei ablegen und vom Handy, PC und Tablett aus schreiben. Das ist doch toll!
Überkommt mich die Inspiration auf dem Klo, könnte ich auch diese Momente nutzen.

Immerhin besser, als ein Notizbuch, das man auch verlieren kann.
Allerdings hat das auf dem BlackBerry-Handy nicht wirklich funktioniert. Und Google-Docs ist auch nicht die Mutter der Komfortabilität...Komforta...nicht wirklich praktisch.

Auf der Suche, ob es da nicht ein Programm gibt, dass praktischer war, fand' ich yWriter5
Das ist nicht nur ein Programm, um vor sich hinzuschreiben. Es bietet auch die Möglichkeit z.B. Beschreibungen zu den verschiedenen Figuren abzulegen, in die man immer mal wieder schauen kann, wenn man sich nicht mehr ganz sicher ist, welche Motivation welche Figur nochmal hatte.
Auch Gegenstände oder Orte können hinterlegt werden.
Oder Berichte bezüglich der Anzahl der Wörter o.Ä. können erstellt werden.
Alles in allem schon eine deutliche Verbesserung gegenüber den einfachen Textverarbeitungsprogrammen, wenn man eine ausufernde Geschichte mit vielen Figuren im Blick haben will.
Für eine Weile war ich auch glücklich damit.
Die Datei habe ich nicht lokal auf dem alten IBM-Thinkpad gesichert, mit dem ich seitdem die meiste Zeit schrieb, sondern daheim auf dem NAS. Ich hatte da immer noch diese Notizbuch-Mentalität, dass ich möglichst von vielen Geräten auf die Geschichte zugreifen müsste. Aber es hat sich gezeigt, dass ich eigentlich nur noch auf dem Thinkpad schreibe.
Mag damit zusammenhängen, dass ich auf den Trichter gekommen war, dass Plotten vielleicht eine gute Idee wäre. Wenn ich schon kein Ende in Sicht hätte, könnte ich mir wenigstens Gedanken dazu machen, wie der Weg zu dem nicht vorhandenen Ende aussehen könnte.
Die Notizbücher gehen jetzt also für das Plotten drauf. Und kleine Notizen lassen sich leichter abtippen als 100 DIN A5-Seiten.

Eine Weile war ich also recht selig. Doch irgendwas fehlte mir noch. Noch mehr Komfort. Ein bisschen wenigstens. Und dann bin ich über Papyrus Autor  gestolpert.
Boah, sieht das cool aus! Das hilft mir doch bestimmt mit meiner Schreiberei zu  Potte zu kommen! Aber leider ist das gute Stück nicht kostenlos. Ich habe also eine Weile mit mir gerungen. Die Demoversion hatte mich dann aber doch so dolle angefixt, dass ich es mir dann doch zum Geburtstag geschenkt hatte. Oder Weihnachten. Hatte jedenfalls eine tolle Ausrede!

Im Gegensatz zu yWriter5 ist es wieder ein ganz schöner Sprung: Die Figuren können direkt aus dem Text in eine Datenbank verlinkt werden, ich kann jetzt an jeder Stelle überall Notizen anfügen. Mit lustigen virtuellen PostIts oder wie Kommentare in PDF-Dateien. Dann habe ich Klemmbretter und einen Zeitstrahl, um die Übersicht zu behalten. Kann auch Bilder mit in die Notizen packen und die Figurendatenbank ist um einiges aufgegliederter als die von yWriter5.
Ich kann die Änderungen im Text zurückverfolgen, ich kann Textpassagen, die mir nicht gefallen in Geistertext wandeln. Ich kann mir nur Dialoge meiner Figuren anzeigen lassen. Ach und man kann direkt alles in Normseiten umwandeln. Und in verschiedene eBook-Formate.
Wahrscheinlich gibt es noch drölfzig Dinge, die mir nicht einfallen, die das Ding auch noch kann, aber für mich und meine Bandwurmsätze war vor allem die Stilanalyse interessant.
Hier analysiert Papyrus Autor, ob denn ein Satz auch einen guten Stil hat. Dass das Ding auch eine superduper Rechtschreibkorrektur vom Duden hat, sollte auch nicht unerwähnt bleiben.

Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Stilanalyse auch stilsicher ist, aber ich finde eine unbeteiligte (automatische) zweite Meinung sehr hilfreich. So bevor man sich an menschliche Leser traut.

Mir war es das Geld für Papyrus Autor auf jeden Fall wert und ich bin damit auch glücklicher als mit yWriter5. Wobei das auch kein schlechtes Programm ist. Man muss wohl einfach für sich selbst herausfinden, womit man am besten schreiben kann. Was die Werkzeuge angeht, so bin ich jetzt auf jeden Fall soweit, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, dass mir was fehlt.
Abgesehen vielleicht von einem Whiteboard, das ich mir an die Wand hänge. Aber das gibt's dann erst, wenn ich mal die 100 Seiten mit der neuen Geschichte geschafft habe. Belohnungen können durchaus motivierend wirken.

P.s.: Meine Blogs haue ich einfach so bei Blogger 'rein. Habe mal überlegt, ob es nicht nett wäre, wenn ich die vorher mal in Word schreibe, damit ich nicht alles voller Tippfehler habe. Ich lese meine Blogs vor dem Veröffentlichen eigentlich selten nochmal durch.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass für mich ein Blog möglichst spontan sein sollte. Ich habe auch ein-, zweimal in Word vorgeschrieben. Das Problem ist, dass ich dann vielleicht mit weniger Tippfehlern auskomme, ich aber auch noch längere Texte schreibe. Bei Geschichten ist viel Text vielleicht wünschenswert, aber bei  meinem Blog versuche ich doch eigentlich eher mich zurückzuhalten...

Sonntag, 4. Juni 2017

Rift, nett Dich zu sehen

(In den Entwürfen lag dieser Besuch von mir in Rift noch 'rum. Da man goldene Eichhörnchen nicht vergammeln lassen sollte, hau ich das Ding einfach mal 'raus, auch wenn es oll ist:)

Alte Bekannte treffen kann nett sein.
Man kennt sie nicht gut genug, um wirklich großartig an ihrem Leben interessiert zu sein, aber wenn man sie dann mal - vielleicht nach Jahren - doch wieder trifft kann es ganz...nett…sein.
Oder vielleicht auch peinlich. Wenn man froh ist, dass man sich gerade noch an den Namen des Bekannten erinnert. Herum stammelt und in den eigenen Erinnerungen wühlt, was man eigentlich genau mit diesem Bekannten in der Vergangenheit zu tun hatte.

Mir ging es kürzlich so mit "Rift". Wo genau ich "Rift" traf weiß ich auch schon nicht mehr so recht. Ich floss so durch's Internet und plötzlich grüßte mich "Rift" von der anderen Datenautobahn-Straßenseite. Von früheren Treffen erinnerte ich mich noch dunkel an ihn. Er geriet in's Plaudern und berichtete, was es bei ihm alles für Neuerungen geben hatte, seit wir uns zuletzt gesehen hatte und ich versuchte trotz völliger Ahnungslosigkeit auszusehen, als wüsste ich genau wovon er sprach. Lächeln, hin und wieder nicken, wenn seine Augen ganz besonders begeistert aufleuchteten. Alles klar, ich habe keinen Blassen mehr wovon Du redest, aber Deine Freude ist putzig.
Ich konnte mich gerade mal an die Grundzüge des Spiels erinnern, wie sollte ich da die Neuerungen und hinzugekommenen Inhalte bewerten?
Aber was soll's. Ich könnte ja mal reinschauen. Ich hatte mal einen Account, aber natürlich habe ich mein Passwort und alles, was dazu gehörte vergessen. Und da ich dem Spiel eine möglichst faire Chance bieten wollte, mich für sich einzunehmen, erstellte ich einen neuen Account. Und weil ich natürlich zu faul bin meinen alten zu reaktivieren. Diesmal allerdings schreibe ich mir mein Passwort und die Email-Adresse schön brav in mein Passwörter-Buch!

Alles zu vergessen kann mitunter dennoch nicht schlecht sein. „Rift“ ist also ein neues Spiel für mich, also warum nicht. Ich ignorierte also die fröhlichen Meldungen auf seiner Website, was alles so Tolles….
…“12. Juni 2013 zum Free-2-Play Spielmodell gewechselt“. Ach. Ich habe noch zu Abo-Zeiten gespielt. Und mehr als zwei Jahre ist es auch her. Gut, dann kann man vielleicht wirklich von einem neuen Spiel sprechen. In der Hoffnung, dass sich abgesehen vom Bezahlmodell auch wirklich so viel getan hat und mit der Enttäuschung von dem Star Wars-Online-Unfall bei der Umstellung auf „Feel free to pay as much as geht“ kommt mit den ersten Schwachen Erinnerungen an meine erste Zeit bei „Rift“ auch ein bisschen echtes Interesse auf.

Das ein bisschen davon gebremst wird, dass ich doch deutlich mehr vom Spiel herunterladen muss, bis ich spielen kann, als bei manch einem Konkurrenten. Ich verabschiede mich kurz und backe ein paar Muffins. Oder wasche mein Auto.
Nach einer kleinen Ewigkeit kann ich also loslegen. „Rift“ hat keine riesige Serverauswahl, aber lieber gemütlich kuscheln, als einsam eingehen. Neben den englischen gibt es noch je einen französischen, einen deutschen und einen internationalen.
Süß. Einen internationalen. Irgendwie sympathisch.

Natürlich gibt es auch bei Rift Fraktionen. Zwei. Reichen ja auch.
Die Skeptiker und die Wächter. Natürlich wählt Frau von und zu Paladin erstmal die Wächter.
Rassen gibt es drei; Menschen, die hier „Mathosianer“ heißen, Zwerge und Hochelfen. Ist jetzt nicht die riesen Auswahl, aber mit den drei aus Skeptiker-Seite – „Kelari“, die wie Dunkelelfen ausssehen, „Bahmi“, bisschen hellere Dunkelelfen mit der Körpermasse von Profi-Ringern und „Ethianern“. Schon wieder Menschen.

Also insgesamt recht ähnliches Aussehen und insgesamt doch nur fünf Rassen.
Aber alles sieht recht hübsch aus für so ein altes Spiel. Und bei den Klassen wird es auch ein bisschen abwechslungsreicher.
Magier, Kleriker, Schurke, Krieger kann ich mir für meinen Menschen aussuchen und wenn ich Lust habe, echtes Geld zu investieren, dann auch einen Primalisten.

Auf den ersten Blick recht schön: Jede Klasse kann jede übliche Rolle in einem MMORPG übernehmen. Der Schurke auch tanken. Aber auf den zweiten Blick kosten die „spezielleren“ Fähigkeiten wieder echtes Geld. Langsam frage ich mich doch, ob man hier lange ohne Euros glücklich wird und werfe „Rift“ einen ersten skeptischen Blick zu, der mit einem Schulterzucken und Verweis darauf, dass man immerhin nur für einen tankenden Schurken und einen heilenden Krieger bezahlen müsse. Was bei anderen Spielen oft nicht mal für Geld zu haben sei. Naja.

Direkt kann man sich zu Anfang für einen Build entscheiden, den man später auch wechseln oder immer wieder mal anpassen kann. Für den Anfang nehme ich mal den Kleriker-Tank.
Mag sein, dass ein Tank für den Anfang keine gute Idee ist, aber hey ich hab‘ MMORPG-Erfahrung.
Aber zwölf Frisuren in der Charerstellung ist schon arg mau mein lieber „Rift“. Und die Köppe sind auch ziemlicher Einheitsbrei wie man ihn bei Hollister-Verkäuferinnen und ihren Kunden vorfindet.

Wahrscheinlich gibt es auch eine tolle Geschichte bei „Rift“ – heftiges Kopfnicken aus seiner Richtung – aber ich mache meine übliche, Texte schnell weiter klickende Arschbombe mitten rein in’s Geschehen, also kann ich da auch nach einigen Leveln nicht viel zu schreiben.
Ein bisschen Erinnerung kommt dann auch wieder, als ich mich im Startgebiet an die eine oder andere Quest erinnere, aber Langweile stellt sich nicht ein. Natürlich wird das Leveln nicht neu erfunden und ich muss überwiegend X von Y killen, sammeln oder zerstören, um irgendwas zu retten, irgendwem zu helfen. Bestimmt tolle Geschichte. Siehe weiter oben. Schlüsselwort „Arschbombe“.

Nun, auch kurz vor Level 40 ist maya, die Arschbombe, immer noch recht zufrieden mit diesem Wiedersehen mit einem alten Bekannten, den sie vergessen hatte.
Man kann in schöner Umgebung fröhlich vor sich hin leveln, bestimmt viel craften – auch ein Part, den ich gern weit von mir schiebe – und wird „Guild Wars 2“-mäßig per Events auch mal aus seinem strickten Plan gerissen, erstmal eine andere Quest fertig zu machen.

Wobei es wahrscheinlich eher so ist, dass man in „Guild Wars 2“ „Rift“-mäßig aus seinen Plänen gerissen wird. „Rift“ hatte die Risse vorher. Heißt ja auch „Rift“.
Risse sind…eben Risse in der Realität von „Rift“, die geschlossen werden müssen, in dem man meist ein paar Gegnerwellen und dann einen kleinen – oder auch – größeren Boss umhaut. Gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Schwierigkeitsstufen, sind aber nett, weil sie zufällig auftauchen und sich meist die anwesenden Spieler zu Gruppen zusammenschließen, um die Dinger zu schaffen. Später gibt es auch Risse für Schlachtzüge.

Gibt natürlich auch Belohnungen und sind recht lustig. Bis man den gleichen Riss zum fünften Mal macht, weil man an der Stelle, an der er spawnt halt öfter mal durch muss. Aber dann macht man den Riss halt einfach nicht und macht weiter in seiner schönen Arschbomben-Questerei.

Meine Bedenken bezüglich Euros sind übrigens recht unbegründet gewesen. Ich habe um Level 10 herum mal zehn Euro investiert in Credits, die Echtgeld-Shopwährung. Ich habe mal eine dicke Tasche gekauft, aber es sind noch neun Euro übrig und die Tasche war wirklich nur Bequemlichkeit.

Eigentlich hatte ich gedacht, ich kaufe ein Mount, da ich keine Lust auf ewiges Gerenne hatte, aber da es bei „Rift“ jeden Tag eine kleine Belohnung kostenlos nur für’s Einloggen gibt und ich schon beim dritten Einloggen ein – zugegeben hässliches – Reittier hatte, brauchte ich da auch kein Geld. Kurze Zeit später habe ich dann noch durch ein Giveaway ein weiteres Reittier bekommen und da ich golden leuchtende riesen Eichhörnchen super finde, habe ich mittlerweile auch ein schönes Reittier bekommen…und als ich eben noch einmal einloggte, um nachzusehen, wie die Credits bei Rift heißen, war in meiner Belohnung auch ein netter zweischweifiger Löwe mit Hörnern drin. Joa super. Was Mounts angeht, kann ich also nicht meckern.

Auch geht der Shop mir zumindest nicht auf die Nerven. Es gibt eine Meldung beim Einloggen, was es Tolles gerade im Angebot gibt, aber da ich mich bisher keinesfalls dazu genötigt fühle, etwas kaufen zu müssen, ist das völlig in Ordnung für mich.

Klar, ich bin noch weit vom Endcontent weg und hatte bisher noch keine große Lust in einer Gilde zu spielen, also kann ich noch nicht beurteilen, ob nicht doch später großes Zahlen ansteht, um überhaupt mithalten zu können, aber bisher sieht es sehr nach einem angenehmen Modell aus.

Und ebenfalls milde stimmte mich die Community. Sicher ein wichtiger Part für ein Spiel, das eigentlich darauf abzielt mit vielen anderen Menschen zu spielen. Die Partys in denen ich bisher war, waren immer recht angenehm, viele waren hilfsbereit und wo kann man sich schon im allgemeinen Chat über die verschiedenen Feinheiten der deutschen Grammatik unterhalten, ohne Gekeife und Gebashe.

Samstag, 8. April 2017

Ode an die Overlock

Seit einiger Zeit versuche ich mich ja am Nähen. Mein Ziel ist es, dass ich mir Kleider nähen kann, die mir gut passen und von der Stange ein wahnsinns Geld kosten würden. Dabei geht es mir fast weniger um das Geld - wobei das natürlich auch ein guter Anreiz ist - als mehr darum, mir passende Klamotten zu machen.
Trägt man zum Beispiel Größe 36 findet man eigentlich ganz gut Klamotten. Aber auch nicht zwingend. Immerhin ist kaum ein Körper so geformt, dass er überall eine Größe hat. D.h., dass die Schultern leider bisschen breiter sind und da bräuchte man eigentlich 38. Die Brüste sind sich nicht ganz sicher und dümpeln zwischen 36 und 38 und bei dem kleinen Bäuchlein wäre 40 nicht schlecht, wenn man es bequem will und die Hüfte macht sich breit und hat sicher 42.
Okay, das Beispiel ist vielleicht merkwürdig bis unrealistisch, aber realistisch ist auf jeden Fall, dass viele Menschen - so auch ich - eine Figur haben, die nicht in die Größen von der Stange passen. Oder schon, aber eben nicht wirklich.
So ist das auch bei mir und mich nervt es, dass ich entweder zu große oder zu kleine Klamotten habe, die immer nur an einem Teil von mir wirklich gut passen.
Also dachte ich mir: Hey, näh den Kram doch selbst! Macht bestimmt Spaß und am Ende hast Du auch noch was Schönes. Ein Hobby also, das ein nettes Hobby ist und als Ergebnis hält man auch etwas in der Hand. Ich habe lange Jahre Malunterricht genommen und das ist auch ein tolles Hobby, am Ende hält man auch ein Bild in der Hand. Aber irgendwann sind die Wände voll und auch das Schreiben ist eher ein "geistiges" Hobby. Nähen hat sowas handwerkliches, was mich als Kontrast sehr angesprochen hat.

Eine liebe Kollegin hat mir sogar eine alte Nähmaschine von ihr zur Verfügung gestellt. Das Ding konnte -  mehr oder weniger - bisschen geradeaus nähen und Zickzack-Stiche. Aber für meine ersten Versuche hat es gereicht. Ich hatte dann noch eine Runde Nähkurse bei einer richtigen Schneiderin von der ich noch so ein paar Kniffe gelernt habe, denn man muss ja ehrlich sein: Schaut man sich die Burda-Style - DAS Ding für Menschen, die ihre Klamotten selbst nähen wollen - an, so kapiert man erstmal nix. Mir ging es zumindest am Anfang so und geht es oft auch jetzt noch. Wenn ich nicht einen Menschen gehabt hätte, der mir das mal alles erklärt, würde ich immer noch bei Übungsvierecken vor mich hin dümpeln.

Bisher habe ich sieben Kleider, zwei Hosen, mehrere Oberteile und zwei Röcke genäht. Zumindest fallen mir die gerade ein. Ich kann vielleicht nicht viel davon wirklich auf der Straße tragen, weil noch viel Ausprobieren dabei ist, aber ist schon cool, wenn man da etwas trägt, was man selbst gemacht hat. Und wenn es zu Hause auf dem Sofa mit Netflix ist.
Am Tollsten ist es dann noch, wenn man Stoffe verwendet, die als Stoffreste günstig verkauft werden und man somit auf nicht mal 10 Euro Materialkosten bei einem Kleid kommt. Also für mich ist das ein bisschen das Tüpfelchen auf dem I.

Die Anfänger-Maschine von der Kollegin habe ich schon eine Weile an eine andere Freundin "vererbt", die auch Lust bekommen hat was zu machen und eine weitere war kürzlich zu Besuch sich das mal bei mir anzushen, wie das so ist etwas zu nähen.
Warum auch nicht.

Mir ist dabei aufgefallen, wie viel Zeug ich schon mittlerweile habe. Ich habe mal in einem Blog oder Heft gelesen, dass man sich keine Sorgen machen soll, wenn man endlos viel Stoff hortet, das würde zum Nähen dazu gehören. Ja, da hat sich schon was angesammelt. Vor allem wohl deshalb, weil ich wahnsinnig gern Stoff in günstigen Restepaketen oder von Resterampen kaufe. Zu Beginn lag das natürlich daran, dass ich mit meinen Versuchen keinen tollen Stoff zerlegen wollte, aber mittlerweile habe ich festgestellt, dass diese Paketet so gute Stoffe enthalten, dass ich diese Pakete eher als tolle Wundertüte und nicht als Probestück-Sammlung sehe.

Vor drei Wochen habe ich mich jetzt getraut mir eine zweite Nähmaschine zu kaufen. Die Anfänger-Maschine hatte ich schon längst mir einer richtig tollen ersetzt, jetzt ist noch eine spezielle Maschine dazu gekommen: Eine Overlock.
Eigentlich könnte ich mit der tollen normalen Maschine auch alles nähen, was ich mit der Overlock machen kann, aber mit der Overlok geht es noch besser und noch schneller.
Wenn man es "ernst" meint mit den Klamotten, vor allem in so knuffigen Stoffen wie Jersey, Sweat-Stoffen und Strickware, dann rettet einen die Overlock vor Fluchorgien.

Ist ein bisschen so wie eine PlayStation und eine Switch zu haben: Eines würde reichen, aber beides macht einfach glücklicher!